Etwas hüten wie seinen Augapfel – das sagt man, wenn man sich ganz besonders gut um etwas sorgt! Doch wir sollten nicht nur andere Dinge so gut hüten wie unsere Augen – wir sollten vielmehr auch einmal darüber nachdenken, ob wir uns auch um unsere Augen ausreichend kümmern? Nutzen Sie die Möglichkeiten zu kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen für sich selbst und Ihre Familie? Wissen Sie, dass der Verzicht auf Zigaretten nicht nur Ihrer Lunge sondern auch Ihrer Sehkraft gut tut? Gehen Sie besonders im Sommer gut geschützt aus dem Haus? Eine coole RayBan Pilotenbrille aus dem Fachhandel verleiht nicht nur Stil, sondern schützt auch die Augen vor den gefährlichen UV-Strahlen! Achten Sie darauf, bei der Bildschirmarbeit regelmäßig Blinzel-Pausen einzulegen? Wer sich über diese und ähnliche Fragen Gedanken macht, findet in diesem Artikel der ARD weitere wertvolle Tipps für die Augen-Pflege!

Pascal Willuhn

Pascal Willuhn

Wie wichtig das Auge ist, zeigt schon unsere Sprache

 

Wenn man sich einmal die Sprache und die zahlreichen Redewendungen anschaut, die wir täglich verwenden, wird schnell klar: Unsere Augen sind unser wichtigstes Sinnesorgan, das Sehen ist unsere wichtigste Wahrnehmungsquelle! Aug um Aug, Zahn um Zahn heißt es in der Bibel – ausgedrückt wird damit, daß im alttestamentarischen Rechtssystem Gleiches mit Gleichem vergolten werden soll und als Beispiel hierfür wählt man eines der wichtigsten Organe: Wer einem anderen das Auge zerstört, soll selbst geblendet werden! Oder, weniger martialisch: etwas unter vier Augen besprechen – das heißt, dass es vertrauliche Verhandlungen sind, an denen nur zwei Personen teilnehmen. Die haben natürlich auch insgesamt vier Ohren oder zwei Nasen, doch wird das Auge als wichtigstes Sinnesorgan als bestimmender Faktor genannt! Auch romantisch wird es, wenn es ums Auge geht: Püppchen, Du bist mein Augenstern – so wird in einer Operette Jean Gilberts gesungen, als Zeichen ganz besonderer Liebe, Verehrung und Wertschätzung. Und wenn zwei Liebende länger getrennt sind, kann es schon mal heißen: Aus den Augen, aus dem Sinn…


Kaum kommt der Herbst ins Land, geht in Bayern alles nur noch um ein Thema: Wer geht wann und wo und mit wem aufs Oktoberfest und was zieht man dazu an? In meinem heimatlichen Berlin haben schon alle Bräustuben das Oktoberfest auf ihre Fahnen geschrieben und selbst beim Barcelona-Urlaub letztens entdeckte ich große Schilder – Oktoberfest mit echt deutschem Bier, solle man sich nicht entgehen lassen. Ich war ja geschäftlich da, das war mir nichts und auch in Berlin war ich noch nicht zum Oktoberfest – das paßt irgendwie nicht hierher, finde ich. Aber wer Spaß dran hat, soll gerne feiern!

Urlaubsstimmung – Feierstimmung

Ich selbst bin ja dann im Urlaub auf den Geschmack gekommen: Dirndl und Lederhosen trägt man nämlich neuerdings auch in dem kleinen Örtchen, in dem ich mit meiner Familie seit Jahren Urlaub mache – nämlich in Unterreichenau. Wir sind zwar hauptsächlich zum Wandern dort, wegen der Ruhe und der wunderbaren Landschaft und der guten Luft, aber die Gaudi wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Das Oktoberfest in Unterreichenau bot dann auch alles, was man erwartet: Blasmusik mit ordentlich Humptata, Bier in schweren Krügen, Brezen für den Hunger zwischendurch und tolle Stimmung.

 

Apropos – was zieht man dazu an, um auf der Wiesn fesch zu sein?

Gerade für die Damen ist ja die Auswahl des richtigen Dirndls eine wahre Kunst. Dem Laien fällt es vielleicht gar nicht auf, aber Dirndl ist nicht gleich Dirndl, weit gefehlt! Traditionell ist das ein Kleidungsstück, das nicht nur den Wohlstand der Trägerin, sondern auch deren Ehestand symbolisierte – nicht unwichtig, fürs Flirten auf der Wiesn! Und wo früher doch eher strikt vorgeschrieben war, wie Bluse, Rock und Schürze auszusehen hatten, haben heute auch die Designer ihre Hand im Spiel und haben jede Menge Variationen geschaffen. Ein kurzer Klick auf eine Seite wie www.trachten-fashion.de verschafft einem da schon einen guten Überblick – wie traditionell oder wie modern, wie sittsam oder frech soll’s denn sein?

bild: flickr/xsnowdog

bild: flickr/xsnowdog


Nein, kein Pferd – sondern wirklich ein Server! Oh Mann, heute habe ich die Mittagspause wirklich genossen – bei uns im Büro wird ja gerade der Serverraum neu gemacht, da steht allerhand in den Gängen, was da gar nicht hin gehört und wo ich echt Angst habe, beim Stolpern ein massives Daten-Problem zu verursachen. Wenn man da mal aufs falsche Kabel tritt… Unser IT-Mensch meinte auch schon, das ginge so eigentlich gar nicht, aber der Chef ist da völlig schmerzfrei – naja, bis einer weint, wie der Itler meinte: Es muss halt erstmal was passieren, bevor die theoretisch denkbaren Szenarien bei manchen Leuten durchdringen. Aber dann kann man vielleicht in Zukunft die üblichen Sicherungsmaßnahmen ergreifen, bevor wieder was schief geht – aus fremden Fehlern lernt es sich ja verblüffend schlecht!

Grüner Salat statt Kabelsalat

Ja, und um dem Baulärm und der Enge zu entkommen, hab ich meine Mittagspause mal nach draußen verlegt. Wollte eigentlich noch kurz bei meinem Bruder vorbei schauen und fragen, ob wir vielleicht gemeinsam was essen gehen. Aber bei meinem Bruder waren aber leider grad die Consultants von kramerundcrew im Büro wegen der neuen IT-Infrastruktur, die er aufbauen lassen will – da war’s dann nichts mit meinem Spontanbesuch. Naja, dann bin ich eben allein in die neue Salat-Bar gegangen, die bei uns ums Eck aufgemacht hat. War auch ordentlich voll – sind voll doch viel mehr figurbewusste Büro-Menschen unterwegs, als man so denkt!

 

Diskussionen am Abend

Das verpaßte Mittags-Treffen mit meinem Bruder hab ich dann abends nachgeholt und ihn zum Essen eingeladen. Er hat dann erstmal eine Weile mit meiner Frau gefachsimpelt über SharePoint-Lösungen und was weiß ich nicht was – ich hab’s ja nicht so mit der IT, aber wenn zwei Experten aufeinander treffen, dann klingt das halt so. Dann gabs aber auch allgemeinere Themen wie beispielsweise den anstehenden gemeinsamen Urlaub, das war gut!

Server, Bild: Andy Delcambre

Server, Bild: Andy Delcambre


Ich bin immer wieder beeindruckt, wie stark in Amerika der Bürgersinn ausgeprägt ist. Das gilt insbesondere bei vielen Fragen, wo man sich in Deutschland denken würde: Ja, das soll der Staat mal richten! Das ist einfach eine andere denke, das will ich auch gar nicht bewerten, aber ich finde einfach beeindruckend, wie gut das funktioniert – also zumindestens in North Dakota, wo mein älterer Bruder seit 6 Jahren lebt und wo ich seitdem regelmäßig zu Besuch bin. Natürlich gibt es sicher auch Gegenden, wo der Bürgersinn nicht halb so gut funktioniert, entweder weil es sich die Leute einfach nicht leisten können oder wo generell der Zusammenhalt aus anderen, vielleicht sozialen Gründen schwieriger ist. Aber wie gesagt, in der Community, in der mein Bruder lebt, ist das richtig beispielhaft.

 

Krankenversicherung vs. Spenden-Aktion

 

Bei meiner letzten Reise gab es da ein schönes Beispiel, von dem ich hier berichten möchte. Da war ein Kind in der Nachbarschaft an Krebs erkrankt und die Eltern machen sich große Sorgen, wie sie die exorbitanten Behandlungskosten bezahlen sollten. Das ist der anders als in Deutschland, wo so etwas selbst verständlich wieder Krankenversicherung übernommen wird, unabhängig von der Einkommenssituation der Eltern. Natürlich kann man als privat versicherter Patient oder als solventer Zuzahler bei den gesetzlichen Kassen noch so einige Extras herausholen, aber um die Grundversorgung muss man sich auf keinen Fall Sorgen machen, selbst als Hartz IV-Bezieher oder alleinerziehende Mutter mit Teilzeitjob. Das ist in Amerika ja ganz anders, da können sich viele Leute keine Krankenversicherung leisten und erst durch das so genannte Obama Care gibt es da auch für die weniger einkommensstarken Bevölkerungsschichten die Möglichkeit, sich regulär krankenversichern.

 

Wie deckt man Behandlungskosten, die das Jahreseinkommen der Familie übersteigen?

 

Für die Familie mit dem kranken Kind stellte sich dann die Frage, wie sie die Behandlungskosten für ihre krebskranke Tochter decken sollten – und diese Frage stellten sie sich jedoch nicht alleine, sondern auch die übrigen Familienmitglieder, die Freunde, die Nachbarn, die Mitschüler, die Lehrer, die Team-Mitglieder aus dem Fußballverein der Kleinen… Sie alle wußten, dass die Familie das alleine nicht stemmen kann und sahen es als eine Selbstverständlichkeit an, da als Gemeinschaft in die Bresche zu springen. Es wurde also eine Spenden-Sammelaktion initiiert: Es wurde ein Konto eingerichtet und viele Leute spendeten einfach so, indem sie eine Überweisung machten. Das waren inbesondere Familienmitglieder und gute Freunde.

 

Wie bekommt man die ganze Stadt mit ins Boot?

 

Aber das Engagement reicht noch viel weiter und dann wurde etwas organisiert, was nach Aussage meines Bruders recht typisch ist: Gute Taten werden mit bunten Events verbunden! Die Leute, die das Mädchen nicht direkt kannten, hätte man natürlich auch einfach so um eine Spende bitten können. Aber andererseits scheint es üblich zu sein, den Spendern dann auch etwas dafür zu bieten und zwar öffentliche Anerkennung und Belustigung und das Gefühl, gemeinsam mit anderen Menschen ein gutes Werk zu tun. So organisierte sich innerhalb von wenigen Tagen eine Art Hilfskomittee und entwickelte diverse Ideen, was man machen könnte. Organisiert wurde schließlich ein Charity Race – ein Autorennen, wo über diverse Wege Geld gesammelt wurde.

Spenden, Sponsoren und ein gutes Gefühl für alle Teilnehmer

 

Für dieses Autorennen wurden diverse Geschäftsleute in der Stadt als Sponsoren gewonnen – das sind dann einfach die Mitglieder dieses Hilfskomitees vorstellig geworden und haben an das soziale Verantwortungsgefühl der Manager appelliert, um Sach- oder Geldspenden einzuwerben. Den Hauptpreis des Autorennens – einen nagelneuen BMW X6 – sponsorte die Firma, in der der Vater des kranken Mädchens seit Jahren arbeitete. Das ist doch wirklich eine großzügige Geste, oder? Dazu wurde eine Art Wettbüro eingerichtet, dessen sämtliche Erlöse in den Behandlungsfond des Mädchens gingen. Die zu gewinnenden Preise waren wie gesagt Sachspenden verschiedener lokaler Firmen. Darüber hinaus gab es auch jede Menge Kuchen, HotDogs und Limonaden zu kaufen – alles handgemacht, von großzügigen Freunden oder Verwandten, die die Verkaufserlöse spendeten. Eintritt wurde auch genommen, nur ein Dollar pro Nase, aber das summiert sich eben.

Auch ich habe mich beteiligt…

 

Mein Bruder hat mit seiner Event-Firma beispielsweise die Absperrungen, Zelte und Sitzgelegenheiten gesponsort. Ich selbst habe dann zuhause beim Hermann Fachversand solche Klebe-Ziffern für die Frontscheiben der teilnehmenden „Rennautos“ drucken lassen und mitgebracht, dazu noch Aufkleber mit dem Logo der Spendenkampagne – eine kleine Geste, aber ich fand, das gehört zu einem Rennen doch irgendwie dazu. Und ich muss sagen, das wurde auch von allen Seiten gewürdigt – das da selbst der Besuch aus Deutschland was beigetragen hat, fanden alle gut.

 

Ein großes Fest für ein kleines krankes Mädchen

 

Ich weiß nicht, ob so eine Aktion auch in einer Großstadt Erfolg hätte. Aber in der Kleinstadt, in der mein Bruder lebt, war dieses Spendenfest und das Charity Race DAS Event des Monats. Ich hatte wirklich das Gefühl, als ob die gesamte Stadt auf den Beinen wäre und an dem Festtag teilnahm. Und klar, warum auch nicht: Man traf sich mit Freunden, es gar zu essen und zu trinken, es gab ein Auto-Rennen und diverse Highlights für die Kinder… Und noch dazu wußten alle, dass jeder ausgegebene Dollar ein gutes Werk, eine Spende für das kranke Mädchen ist. Da wollte sich auch niemand lumpen lassen, da wurden großzügig Limos für die Kinder ausgegeben, Wetten abgeschlossen und auch einfach zusätzlich noch Dollar-Noten in den Spenden-Topf geworfen.

 

Tue gutes und sprich darüber

 

Ich hatte dann auch mehrere interessante Gespräche sowohl mit meinem Bruder und dessen Familie wie auch mit anderen Festbesuchern: Ob so etwas in Deutschland funktionieren würde? Ich glaube einfach, das sind zwei ganz unterschiedliche Kulturen – in Deutschland wären die Leute wahrscheinlich viel weniger bereit, so ein Event zu akzeptieren. Zum einen wüßte man ja, dass der Staat für die Behandlung sorgt und die Familie nicht in den finanziellen Ruin getrieben wird, um die Krankenhausrechnungen zu bezahlen. Zum anderen gäbe es sicher genug Leute, die sagen würden: Was soll der ganze Aufwand, wozu soll da noch Geld in so ein Event gesteckt werden, das könnte man doch lieber alles direkt spenden. Es gäbe sicherlich auch Menschen, die sagen würden, dass es reine Eitelkeit sei, an so einem Event als Sponsor teilzunehmen und natürlich dafür auch seinen Namen öffentlich verlesen zu lassen. Aber ja, hier in den USA funktioniert das eben so.

Quelle: TempusVolat

Quelle: TempusVolat


Unser Ausbildungsbetrieb nimmt das ja wirklich ernst mit seiner Ansage, wir Azubis sollten Teil der Familie werden und uns heimisch fühlen – gerade auch die von uns, die nicht aus der Region kämen. Bislang gab es nicht nur mehrere Dorf- und Firmenfeste, wo wir immer dazu mit eingeladen wurden – explizit als Teil des Teams! – sondern auch lokale Paten, die uns während der Feiertage, wenn wir nicht nachhause fahren konnten, als „Festtagswaisen“ aufnahmen. Mit einer ungemeinen Herzlichkeit und Selbstverständlichkeit – das finde ich ungemein schön! Da fühle ich mich hier wirklich nicht mehr so fremd, wie am ersten Tag, als ich in Wellingholzhausen ankam – 300km von zuhause weg, stolz auf meinen Wunsch-Ausbildungsplatz aber doch ein bisschen bang im Herzen.

 

Ein Dirndl steht doch jedem!

Die systematische Integrationspolitik findet dann beim jährlichen Oktoberfest in Wellingholzhausen ihren Höhepunkt. Da wird nicht nur herzlich eingeladen, da ist die Anwesenheit quasi Pflicht – also, man bräuchte schon einen wirklich guten Grund, dort nicht aufzutauchen. Und auftauchen soll man bitte noch im korrekten Outfit. Jeans und T-Shirt? Fehlanzeige! Schließlich ist Oktoberfest und es gibt doch Traditionen, die es zu pflegen gilt. Zitat der Firmenchefin: Ein Dirndl steht doch jedem!

Bild: AlisaRyan

Bild: AlisaRyan

 

Verkleidung oder Traditionspflege?

Ich persönlich habe mich auf diverse Hinweise dieser Art hin natürlich auch umgeschaut und in Shops wie www.trachten-fashion.de gestöbert. Schöne Teile, wenn man sich auf den Stil grundsätzlich einlässt – und eine überraschende Spannweite zwischen sehr traditionell und modern, das war mir auf den ersten Blick gar nicht so klar. Angesichts der Preise – ist halt deutsche Wertarbeit! – war ich dann aber doch froh, mir von meiner Patenfamilie ein Dirndl leihen zu können. Bin mir aber immer noch nicht sicher, wie ich mich dabei fühle – Traditionspflege, auch durch Zugezogene? Oder ist das eher Fasching, Halloween, Zirkus? Die Hiesigen finden’s jedenfalls großartig, die kämen gar nicht auf die Idee, dass ich das ironisch oder distanziert sehen könnte. Schick sähe ich aus, so das eindeutige Urteil


Die Zeitung raschelte bei jedem umblättern, der Geruch des frisch gekochten Kaffees verbreitete sich sanft in der Küche. Pauline nahm sich einen Stift und las aufmerksam die Stellenanzeigen durch. Sie war nun bereits seit drei Monaten arbeitslos und wurde jedes Mal deprimierter wenn wieder ein Umschlag mit ihren Unterlagen in der Post war. Heute hatte sie sich vorgenommen irgendeinen Job zu nehmen. Na gut, jeden Job wollte sie auch nicht, sie wollte ihre Würde behalten und zumindest ein bisschen ihr Talent unter Beweis stellen können. Doch die einzigen Jobs die heute in der Zeitung waren, waren Putztätigkeiten oder Bürohilfen. Putzen musste Pauline ihre Wohnung auch, doch man sah gleich, dass das nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung war. Und das mit dem Büro war so eine Sache. Pauline hatte zuvor in der Werbung gearbeitet und klar auch den ganzen Tag am Computer gesessen, aber ohne ihre Assistentin hätte sie keinen einzigen Tag überstanden. Sie würde nur mehr Unordnung in ein Büro bringen als dort zu helfen. Sie klappte die Zeitung ernüchternd zu und nahm einen großen Schluck von ihrem Kaffee. Sie hörte wie die Nachbarskinder von oben die Treppe hinunter rannten um den Schulbus zu erwischen, die Kinder waren immer spät dran.

Ein Partykleid wie viele andere

Ein Partykleid wie viele andere

Als sie den Stift von der Zeitung nahm, fiel ihr eine Annonce auf. Es wurde eine Partyreporterin für dieses Blatt gesucht. Es war zwar nicht die Süddeutsche, aber Geld war im Moment einfach nur Geld, und das brauchte Pauline dringend. Die Anforderungen für die Stelle waren ziemlich ungewöhnlich. Weibliche Beweberinnen brauchten als Voraussetzung nur Freude am Feiern, ein bisschen Talent zum Schreiben und ein Partykleid. Aha, dachte Pauline. Feiern, ja da hab ich Freude dran, schreiben kann ich auch und ich hab nicht nur ein Partykleid – ich könnte Kaufhäuser mit Partykleidern füllen – ja das war der richtige Job für Pauline. Sie holte das Telefon und rief die angegebene Nummer an. Ein junger Mann nahm den Hörer am anderen Ende der Leitung ab. Pauline stellte sich kurz vor und kam auf die Stellenanzeige zu sprechen. Der junge Mann erklärte ihr wie die Reportagen abliefen und bat sie am Nachmittag in die Redaktion. Sie solle auch gleich einmal eines ihrer Partykleider mitbringen.
Immer noch ein wenig verunsichert, wegen der Mitnahme ihres Partykleids machte sich Pauline auf den Weg in die Redaktion. Olli, der junge Mann von dem Telefonat, begrüßte sie und führte sie ins Büro des Chefredakteurs. Herr Klaus erklärte Pauline warum sie ein Partykleid mitbringen sollte. Es handelt sich bei den Partys für die Reportagen nicht um gewöhnliche Partys sondern um die Partys der Promis der Stadt und dort konnte man natürlich nicht einem 0815-Outfit auftauchen. Pauline hörte sich alle Details der Stelle an, die Bezahlung war super und auch sonst konnte sie keinen Haken an der Sache finden. Herr Klaus bot ihr die Stelle am Ende des Gespräches auch gleich an und Pauline schnappte zu, bevor sie sich es anders überlegen konnte. Ihr erster Auftrag wartete noch am selben Abend. Perfekt gestylt stand sie in ihrem Partykleid vor der Haustür und wartete auf ihr Taxi. Sie kam sich jetzt schon vor wie in Sex and the City und war gespannt wie ein Flitzebogen wie so eine Party von Promis aussehen würde.


Ja, man spricht ja viel von den kulturellen Unterschieden bei binationalen Ehen, also wenn der eine Partner aus Deutschland und der andere aus den USA, aus Thailand oder Polen kommt – da ist es ja klar, daß die Kulturen und Sprachen verschieden sind und dieser Unterschied reichlich Konfliktpotential für den ehelichen Alltag birgt.

bild: macro182, flickr

bild: macro182, flickr

Was meiner Meinung nach – und diese ist natürlich stark durch mein subjektives Erleben geprägt – völlig vernachlässigt wird bei dieser Diskussion, ist die Relevanz innerdeutscher Kulturunterschiede für die Ehe. Ich selbst stamme ja aus Greifswald, also von der ostdeutschen Ostseeküste – und habe mich während des Studiums in einen gestandenen Bayern verliebt. Kulturell liegen wir – das behaupte ich immer im Scherz – mindestens so weit auseinander, wie meine Schwester und ihr tamilischer Ehemann! Wir stehen eben auf Exoten!

Tja, und ein schönes Beispiel hierfür ist das Wildeshausener Oktoberfest – das beherrscht hier ja nicht nur die Lokalpresse sondern auch fast alle Gespräche im Ort, ob auf dem Markt, in der KiTa oder im Büro. Oktoberfest, Oktoberfest, Lederhosen und Dirndl – da fühl ich mich ziemlich befremdet.

Um so mehr natürlich, da alle annehmen, daß wir – siehe Herkunft meines Mannes – ganz besonders „zünftig“ auftreten würden. Macht ein bayerisches Familienmitglied schon eine ganze bayerische Familie, muss ich die beiden Kleinen auch in Tracht werfen, damit wir uns auf unserer „Wies’n“ siehen lassen können?

Ich geb zu, ich selbst besitze ein Dirndl – ein Geschenk meiner Schwägerin, der es nach dem dritten Kind zu eng geworden war und die meinte, es wäre doch genau meine Größe – ist es auch. Und ich hab auch schon online geschaut, auf www.trachten-fashion.de, ob’s nicht was preiswertes und nettes für die Kinder gibt. Mein Mann ist ja sowieso ausgestattet, der bürstet wahrscheinlich schon seit Tagen im Keller die Lederhosen…

Für mich fühlt sich’s zwar an wie Karneval, aber gut, warum soll ich ihm und auch den Nachbarn die Freud’ nicht machen + ein Dirndl tragen?


Monika war gern zu Hause. In den Urlaub ist sie zuletzt vor zwanzig Jahren gefahren, mit den Kindern an die Ostsee. Sie hatte nie das Bedürfnis weg zu fahren, sich andere Länder und Kulturen anzusehen und selbst in Deutschland reizte sie kein Ziel, doch seit Siegfrieds Tod wurde es ihr zunehmend unbehaglich in ihrem Haus. Er war ganz plötzlich im letzten Herbst verstorben. Monika war eine Depression verfallen, der Winter mit seinen kurzen Tagen und die Kälte hatten es nur noch schwerer gemacht, mit dem Verlust ihres Ehemannes zurecht zu kommen. Die Kinder hatten sich sehr bemüht ihre Mutter zu unterstützen und ihr soziales Leben einzubinden, doch Monika wollte gar nicht mehr zurück in ein Leben, sie wollte ihren Mann zurück. Im Frühling wurde es dann besser, der Garten lockte mit frischem grün und vielen Knospen. Fast hatte Monika das Gefühl, dass der Garten in diesem Jahr besonders üppig blühte. Zu ihrem Geburtstag vor zwei Wochen hatte ihre Tochter Monika dann einen Reisegutschein geschenkt, damit sie mal raus komme. Ich will gar nicht raus, hatte Monika protestiert, doch eine Widerrede war zwecklos. Heute sollte sie gemeinsam mit ihrer Tochter nun das Reiseziel auswählen. Verträumt lag Monika in der Hängematte unter den großen Kirschbäumen. Siegfried hatte sie in ihrem ersten Jahr im neuen Haus gepflanzt. Wo könnte ich denn mal hinfahren, dachte Monika. Wo wäre Siegfried gerne einmal hingefahren? Monika stellte sich einsame Strände und kristallklares Wasser vor, nein so weit weg wollte sie nun wirklich nicht. Es sollte schon im deutschsprachigen Raum sein, denn mit Englisch konnte Monika nun wirklich nichts anfangen. Die Klingel weckte Monika aus ihren Tagträumen auf. Ihre Tochter war da. Sie setzten sich ins Wohnzimmer an den Laptop. Nach einer halben Stunde ergebnisloser Suche, sagte Monika: “Ich will nach Hamburg!”. “Hamburg ist doch gerade einmal 150 km von hier entfernt. Das ist doch kein Urlaub. Willst du nicht mal richtig weg?”, fragte ihre Tochter verwundert. Nein, sie wolle nicht woanders hin, sie will nach Hamburg, beharrte Monika. Da Monika sich nicht weiter umstimmen ließ, buchte ihre Tochter ihr ein schickes Hotel an der Elbe samt Zugfahrt.
In der Nacht vor der Abreise konnte Monika nicht schlafen. Sie ärgerte sich, dass ihre Kinder sie zu etwas gezwungen hatten, was sie eigentlich gar nicht wollte. Und sie musste sich eingestehen, dass sie auch ein wenig Angst vor der Reise hatte. Als ihre Kinder sie dann am Bahnhof verabschiedeten und Monika auf ihrem reservierten Platz im Zug saß, ging es ihr schon ein bisschen besser. Als sie im Hotel ankam, war ihre Skepsis verflogen. Das Hotel war nagelneu und topmodern eingerichtet. Ihr Zimmer hatte einen Blick auf die Elbe war riesengroß. Von dem Bad war Monika am meisten beeindruckt, durch ein langes Fenster, welches mittels einer Plissee für Intimität sorgte, fiel Tageslicht. Da die Dusche mit einer Massageanlage ausgestattet war, entschloss Monika sich gleich einmal mit einer Wassermassage zu verwöhnen. Sie schlüpfte aus ihren Kleidern und ging ins Bad. Die Plissee war halb herunter gelassen. Monika war es etwas unwohl und so zog sie an der Schnur der Plissee um das Fenster ganz zu verdecken. Die Plissee verhakte sich bei dem ruckartigen Ziehen und lag plötzlich am Boden. Monika stand splitterfasernackt vor dem Fenster und wurde sofort knallrot. Sie schnappte sich ein Handtuch und hob die Plissee auf. Mit zwei Handgriffen hatte sie sie wieder montiert und zog nun vorsichtig an der Schnur. Zwei Minuten später war die Plissee einmal ganz ausgezogen und Monika konnte sich ungesehen duschen.

Plissee


Ach, als junge Mutter ist das soziale Leben schon eingeschränkt. Man ist den ganzen Tag mit Babypopo, Fläschchen und Wäschewaschen beschäftigt, freut sich natürlich über jedes Lächeln und jedes fröhliche Krähen der Kleinen, aber fällt abends einfach derart müde in die Kissen, dass einfach keine Energie mehr ist auszugehen. So ist es eben, wenn man kleine Kinder hat, da will ich mich auch gar nicht beschweren, die beiden sind unser ein und alles!

Aber manchmal muss man schon auch mal Pause machen für den Elternpflichten und sich als Paar einen schönen Abend gönnen. Das finde ich sehr wichtig für eine gute Ehe!

Und so haben mein Mann und ich Karten gekauft für die Dirndl-Party am 12. April in der Auchterthalle in Degerschlacht. Da freu ich mich schon richtig drauf, da gehen wir endlich einmal wieder zu zweit tanzen, kommen unter Menschen und genießen einander. Meine Eltern haben angeboten, sich für den Abend um die beiden Kleinen zu kümmern, da wissen wir sie in guten Händen und können guten Gewissens die Zeit zu zweit genießen.

Ich freue mich besonders auf das Degenschlachter Tanzorchester, das ja in diesem Jahr Jubiläum feiert – 90 Jahre und kein bisschen leise, so schrieb der Journalist und passender kann man es eigentlich nicht formulieren, finde ich! Mein Schwiegervater spielt dort ja seit Jahren mit, das macht es natürlich besonders schön.

Ich habe mich auch schon nach einem passenden Dirndl umgeschaut – nach dem zweiten Kind passe ich in mein altes Dirndl aus Studentenzeiten ja nicht mehr, so ist das eben, das Muttersein verändert einfach den Körper. Und so habe ich mir online bei www.trachten-fashion.de ein neues Dirndl bestellt. Liefertermin war superschnell und es passt auch wunderbar. Meinem Mann werde ich das erst am Abend der Party vorführen – das soll ja eine Überraschung werden.

Bild: Günter Hentschel


Nachdem meine Schwester geheiratet hat, hat es ja eine ganze Weile gedauert, bis ich mit ihrem Mann, also meinem neuen Schwager, warm geworden bin. Das war zum einen ein Kommunikationsproblem: Ihr Mann stammt ja aus Brasilien, ist erst seit einem halben Jahr in Deutschland anders als meine Schwester spreche ich leider gar kein Portugiesisch. So mussten wir uns immer in mittelmäßigem Englisch unterhalten und das war der Konversation nicht eben zuträglich. Mittlerweile hat er aber zwei Intensiv-Sprachkurse gemacht und ich bin von seinen Fortschritten wirklich beeindruckt: Wir können uns mittlerweile wirklich gut auf Deutsch unterhalten, natürlich nicht über alle Themen und auch nicht auf einem sehr komplexen Niveau, aber das konnten wir auf Englisch auch nicht. Insofern ist das eine spürbare Verbesserung und ich bin mir sicher, in einem Jahr wird sein Deutsch nahezu perfekt sein – er ist wirklich sprachbegabt, das finde ich beneidenswert.

Zum anderen hat es – sicherlich auch durch die Sprachbarriere begründet – einfach gedauert, bis wir ein gemeinsames Thema gefunden haben. Beruflich sind wir ja in völlig unterschiedlichen Branchen tätig, musikalisch haben wir völlig unterschiedliche Geschmäcker und auch seine Leidenschaft für moderne Kunst teile ich überhaupt nicht. Dann haben wir jedoch festgestellt, dass wir beide leidenschaftlich Badminton spielen. Und damit hatten wir natürlich nun ein gemeinsames Thema, das nahezu unerschöpflich ist – sowohl als Gesprächsthema wie auch als gemeinsame Aktivität.

Ich begeistere mich ja schon seit meiner Studienzeit für das Badminton-Spiel, spiele auch aktiv im Verein in der Regionalliga und freue mich immer, auch jenseits des regelmäßigen Trainings neue Spielpartner zu finden. Marco, so stellte sich heraus, hat ebenfalls lange Jahre im Verein gespielt. Wir beide sind spielerisch auf einem ähnlichen Niveau, wir fordern uns, ohne uns überfordern – das ist also optimal.

Als wir dieses Wochenende gemeinsam mit unseren Gattinnen in ein Wellness-Hotel gefahren sind, war somit natürlich klar, dass wir nicht nur zu viert wandern und biken gehen: Wir zwei wollten unbedingt auch die örtliche Sporthalle für ein paar Runden Badminton nutzen. Schließlich wollte ich doch meinen neuen Badmintonschläger ausprobieren!

Zudem habe ich gemeinsam mit Marco eine neue Leidenschaft entdeckt – nämlich Badminton als Zuschauer-Sport. Bisher habe ich nur selbst gespielt, aber mir kaum hochklassige Spiele im Fernsehen angeschaut. Das hat mich irgendwie nie interessiert, aber wahrscheinlich fehlt mir einfach nur der richtige Kumpel, mit dem ich gemeinsam zuschauen und kommentieren konnte. Das erste Event, das wir gemeinsam verfolgt haben, waren die Badminton Swiss Open. Und nach den ersten Spielen, die wir gemeinsam im TV verfolgt haben, sind wir dann auch live als Zuschauer in die Halle gegangen, um unseren hiesigen Verein anzufeuern. Der spielt ja auf richtig hohem Niveau – aktuell ist der BC Saarbrücken-Bischmisheim sogar auf Platz 2 der Badminton-Bundesliga vorgerückt! Die Performance von Junioren-Nationalspieler Marvin Seidel haben wir sehr genau verfolgt und seine Leistung in den letzten Spielen war er wirklich beeindruckend da bin ich jetzt richtig Fan geworden. Was auch sehr witzig ist: Mit Teammanger Marcel Reuter bin ich damals gemeinsam in die Grundschule gegangen. Ist halt eine kleine Welt!

quelle: flickr, daniel gasienica